Schweiz liefert Lösungen für Europas digitalen Schienengüterverkehr
Luzern/Hägglingen AG/Brüssel - Schweizer Fachleute haben als Teil eines gross angelegten Projekts der Europäischen Union Lösungen für ein Kommunikationssystem bei volldigitalisierten Güterzügen eingebracht. Beteiligt waren das Aargauer Technologieunternehmen plc-tec, SBB Cargo und die Hochschule Luzern.
Schweizer Experten haben im Rahmen eines aktuell laufenden Projekts der Europäischen Union (EU) eine Technologie eingebracht, die eine digitale Kommunikation über ganze Güterzüge ermöglicht. Entscheidend war dabei die Zusammenarbeit von SBB Cargo aus Bern, der Hochschule Luzern (HSLU) und der HSLU-Ausgliederung plc-tec mit Sitz in Hägglingen. Sie waren Teil des Europe’s Rail-Flagship-Projekts der EU mit dem Titel «TRANS4M-R Transforming Europe’s Rail Freight», das über 50 Partner zusammenbringt. Darunter waren Eisenbahnverkehrsunternehmen, industrielle Lieferanten, KMU bis hin zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ziel waren neue Technologiekonzepte zum volldigitalen Güterzug und nahtlosen Schienengüterbetrieb.
Der Schienengüterverkehr soll in Europa das Rückgrat einer emissionsarmen, widerstandsfähigen Logistikkette werden. Um eine Antwort auf die steigende Nachfrage und Netzüberlastungen zu finden, muss die Produktivität gesteigert werden. Dabei nimmt der digitale Güterzug etwa mit einer Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) eine zentrale Rolle ein. Dies soll Automations- und Digitalisierungsfunktionen ermöglichen – mit Kosteneinsparungen bei den heute vorwiegend manuellen Prozessen.
«Unser Beitrag war unsere Technologie für ein zugweites Kommunikationssystem Powerline PLUS Train Backbone PTB», sagt plc-tec-Co-Gründer und -CEO Ulrich Dersch. Bis 2021 war er Leiter des HSLU-Kompetenzzentrums Intelligent Sensors and Networks – ein weltweit anerkanntes Zentrum für die Datenkommunikation über Stromnetze (Powerline Communication/PLC), das auch am EU-Projekt beteiligt war. PTB basiert auf PLC und war in diesem Kontext Backup-Technologie für die Technologie des Single-Pair-Ethernet (SPE). Bereits im Sommer 2025 waren alle Zug-Funktionen mit PTB erfolgreich im Feld getestet worden.
PTB erfüllt laut Dersch somit die Anforderungen an den Backbone des digitalen Güterzugs, der die Systeme im ganzen Zugverband miteinander verbindet. Dabei wird die vorhandene elektrische Zug-Stromleitung mittels PLC zur Datenübertragung genutzt. Das macht ein zusätzliches Datennetz mit vielen Kabeln über den ganzen Zug und Steckern in den Kupplungen überflüssig – besonders letztere sind störanfällig im harten Kupplungs- und Fahrbetrieb. Somit werden Beschaffungs-, Installations- und Unterhaltskosten minimiert – «ein wichtiger Pluspunkt für den mit knappen Margen kämpfenden Schienengüterverkehr», so der Experte.
Diese internationale Zusammenarbeit wurde von Euresearch begleitet, der Anlaufstelle für das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. «Wie auch schon in früheren Projekten war diese Unterstützung wie auch diejenige vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sehr wertvoll, besonders in einer Zeit, in der die Schweiz kein assoziiertes Mitglied in den europäischen F&E-Rahmenprogrammen war», sagt Dersch.
Durch die Teilnahme und die erreichten Resultate, betont er, konnte die Schweiz ihren Ruf als Pionierland für Bahn-Technologien und -Standards festigen. So muss ein Backbone laut den Anforderungen des Schweizer Bundesamts für Verkehr «robust, bezahlbar und rasch verfügbar» sein. Ulrich Dersch sagt: «Im Projekt haben wir mit PTB eine validierte Lösung für den Backbone auf die europäische Ebene eingebracht, die genau diesen Anforderungen entspricht.»