Axiom Space will Produktion kommerzieller Produkte im All ermöglichen
Houston/Luzern - Die amerikanische Raumfahrtfirma Axiom Space will den Nachfolger der Raumstation ISS bauen. Dort soll es möglich sein, Forschungsergebnisse direkt in die Produktion umzusetzen. Am neuen Standort von Axiom Space in Luzern wird an der Entwicklung von Rechenzentren im All gearbeitet.
Die internationale Raumfahrtstation ISS soll im nächsten Jahrzehnt durch eine von einer privaten Firma betriebene Raumfahrtstation abgelöst werden. Axiom Space aus Houston ist einer der Anbieter, die um die Entwicklung der Nachfolgerin konkurrieren. Im Interview mit der «NZZ» erläutert Axiom Space-CEO Jonathan Cirtain die Pläne seines Unternehmens.
Der Bau einer eigenen Raumfahrtstation sei «im Grunde nur eine Erweiterung der Fähigkeiten, die wir bereits haben», meint Cirtain. Axiom Space hat Besuche auf der ISS durchgeführt und verfügt über ein eigenes Mission-Kontrollzentrum in der Nähe des Johnson Space Center der NASA. Bis Ende 2029 will das Unternehmen seine Raumstation in den Orbit gebracht haben.
Im Vergleich zur ISS soll die potenzielle Nachfolgerin pragmatisch und ästhetisch ansprechender gestaltet werden. Wichtigste Neuerung ist jedoch die Möglichkeit, Forschungsergebnisse direkt in die Produktion umzusetzen. «Ich glaube, dass wir in ein paar Jahren tatsächlich kommerzielle Produkte herstellen werden», meint Cirtain. Insbesondere bei manchen pharmazeutischen Wirkstoffen lohne sich schon die Produktion einer kleinen Menge unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit, so der Firmenchef und Astrophysiker.
In Luzern hat Axiom Space kürzlich eine Niederlassung gegründet. Als Hintergrund für die Standortwahl wird im Interview das in der Region vorhandene kompetente Ingenieurswissen angeführt. «Die ETH und die EPFL sind nicht weit, und wir arbeiten bereits mit der Hochschule Luzern zusammen», meint Cirtain. «Auch Schweizer Raumfahrtunternehmen wie Beyond Gravity und Swissto12 könnten zukünftig Partner werden.» Das Unternehmen will in Luzern «zwanzig bis fünfzig Mitarbeiter einstellen, die uns beim Aufbau eines Geschäftsbereichs für Weltraum-Computing unterstützen».