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05.06.22 | 4 min

Im Gespräch mit Martin Becker, CEO KNF Gruppe

KNF ist global führend in der Entwicklung, Konstruktion, Produktion und im Vertrieb von Membranpumpen für die Förderung von Gasen und Flüssigkeiten. An 17 Standorten weltweit beschäftigt die Firma rund 850 Mitarbeitende. Der Hauptsitz der KNF Gruppe befindet sich in Sursee.

Herr Becker, KNF hat 2021 erstmals zu den 130 grössten Arbeitgebern der Zentralschweiz gehört. Wovon hängt der Erfolg von KNF ab? 
Ein Schlüsselwort ist die Diversifikation: Wir haben Tausende von unterschiedlichsten Kunden, sind in zahlreichen Industrien und Märkten tätig, und auch hinsichtlich der Applikationen ist KNF sehr breit aufgestellt. Damit setzen wir auf Risikoverteilung. Unser Wachstum hängt von der Entwicklung des Kundengeschäfts ab, aber auch von unseren Produktezentren: davon, wie gut sie auf die Kundenbedürfnisse eingehen und wie innovativ neue Produkte entwickelt werden. Die KNF Flodos AG in Sursee und die KNF Micro AG in Reiden sind sehr erfolgreich unterwegs. Hier spielen die gute Infrastruktur, die zentrale Lage mit der Nähe zum Flughafen und die grossartige Lebensqualität im Kanton Luzern eine tragende Rolle. 

Was bedeutet Innovation für Sie?
Als Maschinenbauingenieur hat mich Innovation schon immer fasziniert. Das Thema hat mit Neugierde und Fantasie zu tun, aber auch mit dem Mut, sich von Altem zu verabschieden und neue Wege zu gehen. Aufgrund meiner Leidenschaft für Innovation bin ich im Vorstand des Technoparks Luzern. Mich fasziniert die Agilität von neu gegründeten, kleinen Firmen. Zudem finde ich die frühe Vernetzung von Startups mit grösseren Unternehmen für beide Seiten sehr wichtig.

Welches sind die Geheimzutaten, um in Ihrem Gebiet weltweit führend zu sein?
Dass der Erfolg in einem Nischengebiet direkt mit der Nähe zu den Kunden zusammenhängt, wurde bei KNF früh erkannt. Deshalb hat mein Vater bereits 1968 im französischen St. Louis die erste Tochterfirma im Ausland gegründet. Die zweite essenzielle Zutat ist die kontinuierliche Innovation. Unsere Entwicklerinnen und Entwickler sind eng mit dem Vertrieb vernetzt. Für den Wissenstransfer pflegt KNF zudem die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten. Der permanente Austausch ist zentral für kreative Ideen. Ganz elementar sind zudem Hartnäckigkeit, Ausdauer und ein offener Blick. 

Welche Themen haben KNF 2021 besonders beschäftigt?
Eines der bedeutendsten Themen war die Beschaffung. Die Pandemie, aber auch der Hang zum Protektionismus haben die Herausforderungen diesbezüglich verschärft. Die Lieferketten werden uns noch eine Weile beschäftigen. Auch der Fachkräftemangel ist aktueller denn je, auch wenn wir unsere Stellen momentan noch gut besetzen können. Mit gezielten Weiterbildungen und der Ausbildung von Lernenden tun wir unser Möglichstes in diesem Bereich. Natürlich war und ist auch die Digitalisierung ein grosses Thema.

Apropos Digitalisierung: Welche Chancen und Herausforderungen bringt dieses Thema mit sich? 
Die Digitalisierung bietet auch für ursprünglich rein mechanische Industrien unglaublich viele Chancen – nicht nur im Bereich der Prozesse, sondern auch bei den Produkten. Dies erfordert komplett neue Kompetenzen unsererseits. Durch innovative Technologien auf dem Markt ergeben sich für unser Geschäft laufend spannende Möglichkeiten. Heute fertigen wir lediglich die Pumpen – der Kunde baut diese dann, zusammen mit vielen weiteren Komponenten, in sein Produkt ein. Das Stichwort der Zukunft sind sogenannte Smart Pumps: Dabei werden weitere Funktionalitäten direkt in die Pumpen integriert. Das Ganze wird damit auch energieeffizienter, robuster und somit nachhaltiger.

KNF Gruppe