HomeBlog

24.06.22 | 4 min

Fachkräftemangel als grösstes Risiko

Die Gespräche mit den Unternehmerinnen und Unternehmern im Kanton Luzern machen es deutlich, die Statistik liefert die passsenden Zahlen und Fakten: Der Fachkräftemangel beschäftigt. Und zwar immer mehr und immer drastischer. Die Wirtschaftsförderung Luzern unterstützt die Unternehmen bei diesem herausfordernden Thema.

Wir befinden uns in einer aussergewöhnlichen Situation: Gerade noch hat die Pandemie gewisse Teile der Wirtschaft zeitweise stillgelegt, und schon werden am Laufmeter neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Gesamtbeschäftigung ist im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr schweizweit um 2,5 % oder 126'000 Stellen gestiegen. Das sieht man sehr gut an der Competec Logistik AG in Willisau (zu der auch die bekannte Marke BRACK.CH gehört): Bei diesem Unternehmen waren vor der Pandemie rund 200 Personen beschäftigt, heute sind es bereits rund 450. Kürzlich hat das Bundesamt für Statistik eine rekordhohe Anzahl offener Stellen vermeldet. Gleichzeitig war die Anzahl im Kanton Luzern registrierter Arbeitssuchender im April 2022 mit 3’287 Personen so tief wie nie in den letzten zehn Jahren – ein klares Indiz für den Fachkräftemangel. Im Finanzmonitor Zentralschweiz 2021/22 wurde dieser gar als grösstes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten genannt.

Querbeet betroffene Branchen

Dass wir in der Schweiz auf einen Fachkräftemangel zusteuern, ist aufgrund der demographischen Entwicklung schon länger bekannt. In einigen Branchen war dies bereits spürbar, bevor das Thema im allgemeinen Diskurs aufgetaucht ist. In den vergangenen Monaten hat sich der Mangel akzentuiert und manifestiert sich jetzt praktisch überall. Besonders stark ist dies in der Gastronomie und Hotellerie der Fall. Dies hat direkt mit der Pandemie zu tun: Während der Lockdowns und in der Hochphase der Coronamassnahmen sind viele Beschäftigte in andere Branchen abgewandert. Aber auch in zahlreichen Handwerksberufen fehlen Fachkräfte: Schreinereien, Detailhändler, Elektro- und Sanitärinstallateure suchen verzweifelt nach Personal. Informatiker/innen sind schon länger gesucht, was durch den Digitalisierungsschub der letzten Monate noch verschärft wurde. Die Treuhandbranche klagt schon länger über Rekrutierungsprobleme und auch im Pflegebereich werden händeringend Leute gesucht.

Unternehmen sollen alle Potenziale nutzen

Unternehmen müssen sich nun also definitiv auf längere Suchzeiten einstellen. Zudem wird es vermehrt nötig, Personen anzustellen, die direkt im Job fertig ausgebildet werden. Einige Firmen werden auch ihre Arbeitsbedingungen überdenken und ins Employer Branding investieren müssen. Wichtig ist, dass die Unternehmen alle bestehenden Möglichkeiten nutzen. Dazu gehört zum Beispiel die Beschäftigung von geflüchteten Personen. Es existieren einige gute Unterstützungsangebote, wie etwa Deutschkurse im Unternehmen. Auch bieten Organisationen wie das Schweizerische Arbeitshilfswerk SAH verschiedene Integrationsangebote an, unter anderem für geflüchtete Personen mit einer Arbeits- oder Lehrstelle. Aktuell prüft der Bundesrat zudem Ansätze zum Abbau der administrativen Hürden beim Erteilen von Bewilligungen an ausländische Fachkräfte. Bei Berufen mit nachweislich starkem Fachkräftemangel soll beispielsweise nicht mehr in jedem Einzelfall geprüft werden, ob der inländische Fachkräftepool ausgeschöpft worden ist.

Massnahmen der Wirtschaftsförderung Luzern

Wir als Wirtschaftsförderung Luzern tun unser Bestes, um die Unternehmen bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels zu unterstützen. Auf der von uns entwickelten Stellenplattform www.lu-jobs.ch können Luzerner Unternehmen ihre freien Stellen kostenlos inserieren. Mit dieser Jobbörse sprechen wir Personen an, die eine Arbeitsstelle im Kanton Luzern suchen. Wir haben zahlreiche grossartige Unternehmen im Kanton und eine einzigartige Lebensqualität – es ist schade, wenn Arbeitskräfte dies zu wenig wahrnehmen und in andere Regionen abwandern. Die Luzerner Unternehmen wiederum erhalten die Möglichkeit, sich auf dieser Plattform als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Wir unterstützen zudem verschiedene Massnahmen, wie zum Beispiel den Sprungbrett-Event Zentralschweiz, an dem Studierende und Arbeitgebende miteinander vernetzt werden. Eine weitere Initiative bietet der Verein Companies Returnship Network, der Personen darin unterstützt, nach einer längeren Absenz wieder in die Arbeitswelt einzusteigen. Hier schlummern viele unerschlossene Potenziale: Eltern, meistens Mütter, die gar nicht oder in kleinen Pensen arbeiten – und dies oftmals unfreiwillig, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Es muss sichergestellt werden, dass diese Rahmenbedingungen stimmen und Anreize richtig gesetzt werden. Gleiches gilt für die Thematik von Personen, die nach dem offiziellen Pensionierungsalter weiterarbeiten können und dies auch möchten.

 

Fachkräftemangel  | © Schindler Aufzüge AG