HomeBlog

Nachhaltigkeit | Innovation | Advanced Manufacturing | 28.04.26 | 5 min

Ein Blick ins Unternehmen – HUG AG

Die HUG AG ist einer der bekanntesten Biskuithersteller der Schweiz. Geführt wird das Unternehmen in Co-Leitung von Anna Hug und Marianne Wüthrich-Gross. Anna Hug ist zudem seit 2025 im Stiftungsrat der Wirtschaftsförderung Luzern. Wir durften mit ihr über Ehrlichkeit, «Sorry-Kultur» und Ovo-DAR-VIDA sprechen.

Der Grundstein für den Erfolg der HUG AG wurde bereits im 19. Jahrhundert gelegt: Der 26-jährige Bäckermeister Joseph Hug-Meyer hatte am 1. August 1877 die Bäckerei Zumbühl an der Weggisgasse in Luzern übernommen. Gemäss Firmengeschichte hat er eines Tages aus Versehen geschnittenes Brot statt Brotlaibe in den Ofen gelegt – und damit ganz nebenbei den Zwieback erfunden. Darauf folgte eine Geschichte über fünf Generationen: zuerst mit Zwieback, später mit Biskuits – eingeläutet durch das Nuss-Ringli als erstes HUG-Guetzli. 

Die Produkte der HUG AG sind bis heute beliebt und allseits bekannt. Nebst dem HUG-Zwieback und den DAR-VIDA gehört auch die bekannte Marke Wernli zum Unternehmen, das nun bereits seit 150 Jahren in Familienbesitz ist. Anna Hug vertritt die fünfte Generation. Sie ist 2010 mit 39 Jahren ohne Führungsambitionen in die Firma eingestiegen, seit 2015 in der Geschäftsleitung und seit 2022 Co-Geschäftsführerin mit Marianne Wüthrich-Gross. 

Können Sie das Co-Leitungsmodell anderen Unternehmen empfehlen?

Mir war wichtig, die Geschäftsführungsrolle mit meiner Familie vereinbaren zu können, deshalb wollte ich unbedingt Teilzeit arbeiten. Daraus entstand eine Co-Leitung mit je 70 Prozent. Zunächst teilte ich mir die Geschäftsführung mit meinem Onkel Andreas Hug, dem damaligen CEO. Nach zwei Jahren übernahm Marianne Wüthrich-Gross diese Rolle. Die Zusammenarbeit hat in beiden Konstellationen von Anfang an sehr gut funktioniert, weshalb ich dieses Modell aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann. Gerade für Arbeitnehmende, die Teilzeit arbeiten, ist eine Co-Leitung hervorragend.

Zunehmend merke ich, wie wertvoll dieses Modell im Thema der Nachfolgeregelung ist: Die alte Generation ist noch mit einem Fuss drin und steht der jüngeren unterstützend zur Seite. Diesen Generationenübergang beobachte ich bei einigen Firmen. Man muss aber auch der Typ dafür sein: Es gibt sicherlich Junge, die alles selbst entscheiden und sich nicht reinreden lassen wollen. Und dazu Ältere, die nicht loslassen können. Dann wird es herausfordernd.

Ist es anders, den eigenen Familienbetrieb zu leiten als ein «fremdes» Unternehmen?

Im familieneigenen Unternehmen ist man sehr exponiert. Alle schauen genau hin, was man tut. Aber der Name hilft – beispielsweise wenn man bei einem Kunden einen Termin erhalten möchte. Und ja, es ist ein gewisser Unterschied vorhanden, wenn man für die eigene Firma Entscheidungen trifft. Auf den ersten Blick kaum erkenntlich, auf den zweiten sieht man jedoch: Das Führen der eigenen Firma verlangt absolute Ehrlichkeit. Man schaut zwei Mal hin, gerade beispielsweise bei Nachhaltigkeitsthemen. Es gab Ideen, die zwar naheliegend, aber für uns nicht stimmig waren. Also haben wir sie verworfen. Dafür haben wir Ansätze gutgeheissen, die vielleicht weniger trendig erschienen und gegen den Strom schwammen, dafür aber wirksamer im Sinne des Umweltschutzes waren. Die eigene Firma zu führen, erfordert viel Mut – man muss Entscheidungen vertreten und im Falle von Reklamationen mehr Stirn bieten können.

Wodurch zeichnet sich die HUG AG als Arbeitgeberin aus?

Etwas vom Wichtigsten, das uns von anderen abhebt, ist die starke Einbindung unserer Mitarbeitenden: Wir involvieren sie in Entscheidungsprozesse und geben ihnen dabei viel Verantwortung. Wir leben eine «Sorry»-Kultur: Unsere Leute sollen lieber einen Entscheid fällen und im Nachhinein «Sorry» sagen, als im Vorfeld immer um Erlaubnis zu bitten. Uns ist es wichtig, vorwärtszugehen. Wir wollen alle miteinander etwas bewirken und mitgestalten. So sind auch alle unsere 440 Leute in einen KVP (kontinuierlichen Verbesserungsprozess) involviert. In dieser Hinsicht sind wir anderen Unternehmen sicherlich voraus. Daneben legen wir grossen Wert auf unsere herzliche Kultur.

Zudem fördern wir aktiv die interne Weiterentwicklung: Zahlreiche Positionen werden direkt aus dem bestehenden Team besetzt, wir investieren sehr viel in die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Generell bieten wir ein gutes Paket, das auch zusätzliche freiwillige Familienzulagen beinhaltet. Zudem sind wir als Unternehmen wohltätig unterwegs: Jeden November findet bei uns ein riesengrosser Anlass, der Chnusperhüsli Event, statt, bei dem wir für eine wohltätige Organisation spenden. An diesem Tag befinden sich an die 20'000 Leute auf unserem Gelände, und 160 unserer 400 Mitarbeitenden sind den ganzen Tag im Einsatz. Das trägt auch zur guten Stimmung bei.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei eurem Unternehmen?

Nachhaltigkeit war schon immer eine Herzensangelegenheit. Mein Vater hat bereits vor der Jahrtausendwende unsere Rohstoffcharta gegründet. Die HUG AG hat bereits damals nur ein Minimum an Zusatzstoffen und keine Konservierungsstoffe verwendet. Dieses Gedankengut wurde von meinem Onkel Andreas weiterverfolgt. Wir sind beispielsweise nicht verpflichtet, IP-Suisse-Zucker zu verwenden, der besonders gut für die Biodiversität ist. Trotzdem tun wir es aus Überzeugung. Die Mehrkosten tragen wir selbst. Seit ungefähr zehn Jahren verlangt der Markt vermehrt Lösungen im Sinne der Nachhaltigkeit, hauptsächlich durch Reglementierungen wie den Nachhaltigkeitsbericht.

Unsere Produkte unterscheiden sich sehr in puncto Nachhaltigkeit. Es gibt sehr nachhaltige Guetzli, beispielsweise die Willisauer Ringli, bei denen fast alle Rohstoffe aus der Schweiz stammen. Zudem enthalten sie keine Milch oder Schokolade – diese sind etwas weniger nachhaltig. Auch die Verpackung im Beutel ist umweltfreundlich. Wir heben das jedoch nicht explizit hervor. Das Choco Petit Beurre hingegen ist zwar auch ein sehr beliebtes Produkt, ist aber etwas weniger nachhaltig, da es Milch und Schokolade enthält und etwas mehr Verpackung. Trotzdem setzen wir auch hier auf hohe Standards: Wir nutzen Schokolade, die nach den Kriterien der Rainforest Alliance zertifiziert ist, womit unser Standard über dem Branchendurchschnitt liegt. Zudem arbeiten wir kontinuierlich an einer Reduktion des Verpackungsmaterials.

Wie steht es um die Innovation bei der HUG AG?

Innovation wird bei uns sehr breit definiert und betrifft unsere Prozesse sowie unsere Produkte. Innovative Produkte werden auch von der Kundschaft verlangt – sie beleben unsere Marke. Was wir spüren: Die Geduld im Detailhandel wird immer kleiner: Wenn wir nach 12 Monaten nicht auf der Zielgeraden sind, fällt das Produkt aus dem Sortiment. Grundsätzlich investieren wir sehr viel, um über Innovation nachzudenken. Neun von zehn Ideen scheitern, was in allen Stadien passieren kann – Konzept, Machbarkeit oder auch nach dem Launch. Eine von zehn setzt sich durch, wie kürzlich unsere DAR-VIDA Ovomaltine, auf die wir sehr stolz sind. Sie haben eine sehr hohe Wiederverkaufsrate: Die Kombination von Genuss und Gesundheit ist ein guter Kompromiss, hinzu kommt die ausgezeichnete Reputation der beiden urschweizerischen Marken, die ebenfalls zum Erfolg beiträgt.

Wie entscheidend ist Swissness für den Erfolg eures Unternehmens?

Das Thema Swissness ist für uns zentral. Wir bekennen uns voll zu unseren Standorten Malters und Willisau. Wer das Schweizer Kreuz auf der Verpackung trägt, muss auch entsprechend handeln. Das bedeutet, bei den Rohstoffen konsequent auf Schweizer Herkunft zu achten. Diese sind teurer als jene der internationalen Konkurrenz, was wir aber bewusst in Kauf nehmen. Im Ausland ist die Swissness Vor- als auch Nachteil. Unsere Produkte sind wegen der hohen Rohstoff- und Lohnkosten, aber auch wegen des starken Schweizer Frankens sehr teuer geworden, wodurch wir gewisse Umsätze verlieren. Die Zahlen 2025 sprechen für sich: Im Export hat die Schweizer Biskuitindustrie in den ersten drei Quartalen 18 Prozent an Volumen eingebüsst, das ist massiv. Es handelt sich fast schon um eine kleine Revolution, die hier im Gange ist. Dieser Exportverlust ist ein ernsthaftes Problem. Glücklicherweise können wir ihn mit dem Export der Tartelettes teilweise überkompensieren. Das ist ein Glücksfall. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn wir das Volumen wieder zurückholen könnten. Solange die Rohstoffe und der Schweizer Franken auf diesem hohen Niveau bleiben, dürfte sich an dieser Situation allerdings wenig verändern.

HUG Familie – Natürlich und ehrlich. Seit 1877.

Anja Hammerich | © Wirtschaftsförderung Luzern

Anja Hammerich
Projektleiterin Kommunikation/Content

Telefon +41 41 367 44 08

 

 

HUG AG
6102 Malters
Lebensmittelindustrie