08.06.2021

Virtuelles Gehen hilft bei Phantomschmerzen

 

Luzern/Nottwil LU - Das Zentrum für Schmerzmedizin und die Hochschule Luzern haben eine weltweit einzigartige Installation geschaffen, die Querschnittsgelähmten mit Phantomschmerzen helfen soll. Dabei soll virtuelles Gehen das überforderte Gehirn entlasten.

 

Forschende der Hochschule Luzern und des Zentrums für Schmerzmedizin Nottwil und die Orthotec AG in Nottwil haben eine Installation für Menschen mit Querschnittverletzungen und Phantomschmerzen geschaffen. Insgesamt 75 Prozent aller Betroffenen litten unter oft unerträglichen Schmerzen an Körperteilen, die sie aufgrund ihrer Lähmung eigentlich gar nicht mehr spüren können, heisst es in einer Medienmitteilung der Hochschule. Ihnen soll diese Installation helfen.

 

Wenn die Beine zwar sichtbar sind, aber nicht mehr auf Reize reagieren, seien die Informationen aus dem Nervensystem widersprüchlich, wird Dr. André Ljutow, Chefarzt am Zentrum für Schmerzmedizin Nottwil, in der Mitteilung zitiert. „Das Gehirn kann diesen Konflikt nicht so schnell lösen und reagiert wie ein abgestürzter Computer mit einer Fehlermeldung: Der Alarm äussert sich als Schmerz.“ Die neue Therapiemöglichkeit, das „Virtual Walking“, soll dem Gehirn Zeit geben, sich an die neuen Körpergrenzen zu gewöhnen und damit die Schmerzen lindern.

 

Eine „komplizierte und weltweit einzigartige Installation“ ermögliche den Patienten, sich selbst gehen zu sehen. In dieser Installation sitzt eine betroffene Person in einem umgebauten Elektrorollstuhl, der für das Becken die Gehbewegung simuliert. Vor ihm steht eine Leinwand mit einer Kamera in der Mitte. Sie nimmt den Oberkörper auf. Hinter der Person steht ein sogenannter Greenscreen, auch die Beine sind grün abgedeckt. Eine eigens entwickelte Software kann die Kameraaufnahme der querschnittgelähmten Person mit einem vorproduzierten Video von zwei gesunden, gehenden Beinen und der Waldszene zusammenfügen.

 

Die Entwicklungsarbeiten haben nach Angaben der Hochschule Luzern vier Jahre gedauert. Erste Patientinnen und Patienten hätten das Therapiesystem bereits getestet – „mit positiven Resultaten.“ Jetzt arbeite das Zentrum für Schmerzmedizin an Behandlungstechniken für ähnliche Krankheitsbilder wie Schlaganfälle oder Nervenentzündungen.


Hochschule Luzern - Medienmitteilung



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