11.04.2019

Albert Koechlin und das gute Leben

 

Die Albert-Koechlin-Stiftung ist ein (Geld-)Segen für die Innerschweiz: Mit jährlich 10,6 Millionen Franken unterstützt sie eine Vielfalt von Projekten in wichtigen Lebensbereichen. Gerade aktuell ist die Kulturreihe «Die andere Zeit» in Vorbereitung.

Ganz in der Nähe der Luzerner Jesuitenkirche, an diskreter Lage im zweiten Stock einer Liegenschaft am Reusssteg, befindet sich der Sitz der Albert-Koechlin-Stiftung (AKS). Es sind Büroräumlichkeiten, die schlichter wirken als in mancher Anwaltskanzlei oder Kommunikationsfirma. Kein Pomp oder Luxus deuten darauf hin, dass hier Millionen von Franken verwaltet und ausgegeben werden. Hier herrscht typische und bewährte Schweizer Zurückhaltung.

Rudolf Albert Koechlin, 1859 im ­Badischen geboren, machte in Basel eine Lehre als Bankangestellter. Er spezia­lisierte sich auf die Elektroindustrie und verwaltete mehrere Holdinggesellschaften und Banken, die an diesem Sektor interessiert waren. Zeitenweise sass der erfolgreiche Unternehmer in über 20 Verwaltungsräten. Koechlin, der 1927 in Basel gestorben ist, hat ein beträchtliches Vermögen angesammelt. 100 Jahre später profitiert die Innerschweiz davon.

Enorme Breite von unterstützten Projekten
Nachkommen der Koechlin-Familie, die in der Region leben, haben 1997 die gemeinnützige Albert-Koechlin-Stiftung (AKS) gegründet. Diese unterstützt Projekte in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Umwelt und verleiht Anerkennungspreise. «Wir fördern ein gutes Leben für die Menschen und ihren Lebensraum in der Innerschweiz», fasst Geschäftsführerin Marianne Schnar­wiler den Stiftungszweck zusammen.

Das kommt in der grossen Breite der AKS-Projekte zum Ausdruck. Das Wirken der Stiftung konzentriert sich explizit auf die fünf Innerschweizer Kantone Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden und Luzern. Seit Jahren stellt der Stiftungsrat jeweils ein jährliches Projektbudget von 10,6 Millionen Franken zur Verfügung. Die Gelder stammen ausschliesslich aus den Erträgen des Stiftungskapitals.

Das bedingt finanzielle Sorgfalt. «Der Finanzausschuss ist bestrebt, die Mittel so anzulegen, dass die nötige Liquidität gewährleistet ist. Gleichzeitig müssen wir die Ausgabenseite im Griff haben und haushälterisch mit den Mitteln umgehen», sagt Schnarwiler. Eine langfristige Planung ist notwendig, damit der Überblick gewährt bleibt und Überraschungen ausbleiben. Das Spektrum der Förderung ist riesig und reicht von kleineren Ausgaben in der Höhe von ein paar tausend Franken bis zu Millionenbeträgen, etwa für das Projekt «Fels» (Ausbau des Gletschergartens) mit 6 Millionen Franken.

Die Projekte, die teils über mehrere Jahre angelegt sind, haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. 2013 waren 127 Projekte in Bearbeitung, 2015 waren es 208, 2017 stieg die Zahl auf 270, und letztes Jahr waren es 288. 227 davon sind Drittprojekte (Gesuche), 61 sind eigene Projekte. Schnarwiler: «Bei der Finanzierung ist das Verhältnis gerade umgekehrt: Zwei Drittel der Gelder fliessen in eigene Projekte, ein Drittel stellen wir für Drittprojekte zur Verfügung.» Bei der AKS sind rund 20 Mitarbeitende beschäftigt. Über 200 weitere Personen engagieren sich in Arbeitsgruppen, Projekträten, Jurys und anderen Gremien.

Von den 10,6 Millionen Franken fliessen je rund zwei Millionen Franken in die Bereiche Soziales, Bildung, Kultur, Wirtschaft und Umwelt. 600000 Franken sind für Sonderprojekte und Anerkennungspreise reserviert. Sonderprojekte sind nebst den Anerkennungspreisen solche, bei denen Stadt und/oder Kanton gleich viele Mittel einschiessen, damit sie realisiert werden können. 2017 waren das etwa die Erneuerung eines Pausenplatzes, die Neukonzipierung des Lernpfades Wauwilermoos, die Herausgabe einer Broschüre über Ignaz Paul Vital Troxler oder der Aufbau einer externen Vermittlungsstelle zur Unterstützung von Musikschaffenden. «Wir sind aber rein subsidiär tätig», betont Schnarwiler. «Es ist nicht die Idee, ein Globalbudget zu entlasten.»

Innerschweizer Filmpreis und Kulturprojekt
In den ersten Jahren stiess die AKS bei Kulturschaffenden auch schon mal auf Kritik, weil sie anscheinend lieber die Restauration von Burgen und Schlössern unterstützte als zeitgenössische Kulturprojekte. Das hat sich stark verändert. «Wir pflegen die Tradition, aber wir wollen auch Neues entstehen lassen und haben keine Scheuklappen», sagt Schnarwiler. Dass letztes Jahr etwa das neue Format «Festival für Wissen» im Südpol Luzern mit 30000 Franken unterstützt wurde, ist nur ein Beispiel dafür, dass die AKS auch offen und innovativ denkt.

Viel Ansehen hat sich die Stiftung mit dem Innerschweizer Filmpreis verschafft, der dieses Jahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde: 15 grosszügig dotierte Preise wurden vergeben, mit einer Gesamtsumme von 540000 Franken. Auch mit dem «Innerschweizer Kulturprojekt» hat die Stiftung in den letzten Jahren Akzente gesetzt: Alle drei Jahre gibt die AKS ein Thema vor, zu dem sich Kulturschaffende mit ihren spezifischen Projekten bewerben können.

Dieses Jahr wurden zum Thema «Die andere Zeit» 17 Produktionen entwickelt, die in den nächsten Wochen in der halben Innerschweiz über die Bühne gehen (siehe unten). Laut Schnarwiler entschied sich die AKS für das Themaformat, weil sie nicht nach dem Giesskannenprinzip einzelne Theateraufführungen oder Ausstellungen unterstützen, sondern lieber Schwerpunkte setzen wollte. Die Selektion durch eine Fach­jury, die von Fachpersonen unterstützte Begleitung der ausgewählten Projekte und eine Evaluation mit Schlussbericht und Eigeneinschätzungen gehören zum Prozedere. «Wir wollen lernen und, wo nötig, es ein nächstes Mal besser machen können.»

Zauneidechse und junge Mütter
Über all den Kultur-«Leuchttürmen» könnte vergessen gehen, was die AKS in den anderen Bereichen leistet. Ein paar Beispiele: Das Artenförderungsprojekt «Zauneidechse» definiert inzwischen über 2000 Einzelmassnahmen, in die über 200 Landeigentümer aus der ganzen Innerschweiz involviert sind. Diese sorgfältig gestalteten Lebensräume kommen der ganzen Flora und Fauna zugute. Breitenwirksam ist auch das aktuelle Projekt «Unterwegs zum Gotthard»: An zwei Erlebnistagen werden Schulklassen für die Aspekte der Mobilität und ihre Zusammenhänge sensibilisiert.

Im sozialen Bereich unterstützt das AKS-Projekt «MiA-Innerschweiz» junge Mütter, damit sie sich möglichst selbstständig in ihrer Arbeits- und Lebenssituation zurechtfinden können. In der Universalwerkstatt «Tüftelwerk» können Kinder ihre handwerklichen Begabungen ausleben. Mit dem Fonds soziale Nothilfe, jährlich gegen 300000 Franken, werden auf Gesuche hin besondere Aufwände finanziert wie etwa Zahnkorrekturen, die von den in meist prekären Verhältnissen lebenden Betroffenen nicht geleistet werden könnten.

«Damit ein gutes Leben gewährleistet werden kann, braucht es Arbeitsplätze», begründet Schnarwiler, warum sich die AKS auch in der Wirtschaft engagiert. Zurzeit werden 12 Start-up-Unternehmen mit einer guten Geschäftsidee unterstützt, damit sie ihre Infrastruktur aufbauen, ein Produkt zu Ende entwickeln oder sich neu organisieren können. Dabei handelt es sich um Darlehen.

Wenn die Geschäftsführerin über die Projekte spricht, spürt man ihr Herzblut. Ihr gefällt, dass die Stiftung nicht nur Geldgeberin ist, sondern selber mitgestalten und auch Know-how aufbauen kann. «Unsere Leute denken interdisziplinär. Zudem wollen wir die Projekte nicht nur auf Papier sehen. Wir begleiten sie.» Damit die Vielfalt des Förderns kompetent und professionell bleibt, setzt die AKS für jedes Eigenprojekt einen Projektrat mit Fachleuten ein, sagt Schnarwiler. «So kann die AKS auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für ein gutes Leben in der Innerschweiz sein.»

 

Quelle: Luzerner Zeitung vom 11.4.2019


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