02.05.2011
China-Zentrum als Wettbewerbsvorteil
In Luzern soll in den nächsten Jahren ein China-Zentrum entstehen. Dieses soll den Wirtschaftsstandort Luzern stärken und als Begegnungsstätte dienen.
Luzern soll schon bald zur schweizweit wichtigsten Begegnungsstätte für chinesische und einheimische Unternehmer werden. Denn hier soll in den nächsten zwei bis drei Jahren ein China-Zentrum entstehen. «Viele chinesische Unternehmer wünschen vermehrt Kontakte zur Schweiz. Geichzeitig möchte sich China mit seinen Menschen und seiner Kultur in der Schweiz präsentieren», sagt Timo Heroth, Head of Training & Business Development des Tao China Zentrums Schweiz. Heroth ist studierter Wirtschaftssinologe. Das heisst, er hat eine praxisorientierte Ausbildung in Wirtschaft und chinesischer Sprache absolviert. «Es versteht sich als Brücke der Verständigung zwischen der Schweiz und China», sagt Heroth. So soll das China-Zentrum eine Reihe von Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaft und Industrie, Körper und Geist sowie auch Kunst und Kultur unter einem Dach anbieten.
Luzern als erste Wahl
Die Idee für ein China-Zentrum ist laut Heroth bereits vor Jahren entstanden. So haben die Initianten seit längerer Zeit mit chinesischen Unternehmen, öffentlichen Institutionen, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie den Bereichen der traditionellen chinesischen Gesundheitspflege zu tun und festgestellt, dass eine solche Plattform in der Schweiz fehlt. Für die Initianten sei Luzern nach der Prüfung zahlreicher Standorte dabei erste Wahl gewesen. «Luzern ist zudem in China als Tourismusstadt schon sehr bekannt», sagt Heroth.
Vor vier Wochen hat deshalb die Tao China Zentrum Schweiz GmbH in der Tribschenstrasse in der Stadt Luzern ihr Büro bezogen. «Von hier aus werden wir nun die Realisierung des China-Zentrums mit dem bereits vorhandenen Dienstleistungsportfolio vorantreiben.» Denkbar wären im Zentrum etwa ein Restaurant, Begegnungsräume und traditionelle chinesische Medizin. Die Suche nach Investoren und nach einem geeigneten, möglichst zentralen Standort seien bereits seit einiger Zeit in vollem Gange. Finanziert werden soll das Zentrum mittels Investoren – sowohl aus der Schweiz als auch aus China.
Idee wird positiv aufgenommen
Auch die Wirtschaftsförderung Luzern unterstützt das Projekt eines China-Zentrums. «Damit hätte der Kanton Luzern einen erheblichen Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, dass sich chinesische Firmen in der Schweiz niederlassen», sagt Patrik Wermelinger, Leiter Marketing und Promotion der Wirtschaftsförderung Luzern.
So hat die Wirtschaftsförderung Luzern schon im Vorfeld mit mehreren Organisationen und Unternehmen gesprochen und diesen, zusammen mit den Initianten, die Idee des China-Zentrums schmackhaft gemacht. Darunter waren zum Beispiel der bereits seit 1980 in China tätige Lifthersteller Schindler in Ebikon oder die Schweiz-Chinesische Handelskammer. «Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Das Zentrum könnte eine gute Einstiegshilfe für chinesische Unternehmen werden.» Aber auch Dank der Unternehmenssteuerreform sei der Standort Luzern für chinesische Unternehmen attraktiv. «Die Unternehmenssteuerreform hilft mit, dass sich der Kanton mit den attraktivsten europäischen Standorten messen kann und sie ist wichtig, damit Luzern auf die Shortlist aller internationalen Unternehmen kommt», sagt Wermelinger. Schliesslich seien die Steuern aber nur eines der wichtigen Standortkriterien. Finanziell wird sich die Wirtschaftsförderung nicht am geplanten Zentrum beteiligen. «Die Investorensuche läuft unter der Federführung der Initianten.»
Eine «Brücke der Kulturen»
Auch bei den Chinesen kommt die Idee für ein China-Zentrum in der Schweiz gut an. Wang Bisheng, Leiter des Ressorts Literatur und Kunst einer der grössten chinesischen Zeitung «People’s Daily», und Pai Kaixiong, Präsident des «People’s Literature Publishing House», haben sich vergangene Woche mit dem Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren und Patrik Wermelinger im Hotel Montana zu einem informellen Austausch getroffen: «Gerade in der globalisierten Welt ist es wichtig, dass Unternehmen und Staaten zusammenspannen. Ein solches Zentrum wäre sinnvoll. Hier könnten sich chinesische und Schweizer Unternehmen austauschen», sagt Wang Bisheng. «Das Zentrum wäre eine schöne Brücke zwischen der schweizerischen und der chinesischen Kultur», ergänzt Pai Kaixiong.
China ist wichtigster Markt
Für Marcel Perren ist noch offen, wie ein solches China-Zentrum touristisch genutzt werden könnte. «Ich finde die Idee gut. Ob chinesische Touristen allerdings ausgerechnet in der Schweiz in ein China-Zentrum gehen, ist jedoch fraglich.» Trotzdem: China sei mit Abstand der wichtigste Markt für Luzern Tourismus. «Für Luzern ist es sicher positiv, wenn ein solches Zentrum hier steht und dort ein interkultureller Austausch stattfindet.»
(Quelle: Neue LZ, 01.05.2011)

