15.04.2011

Rosige Aussicht für die Zentralschweiz

 

Die Schweizer Wirtschaft ist in robuster Verfassung. Die Ökonomen von BAK Basel rechnen für dieses Jahr mit einem gesamtschweizerischen Wachstum von 2,4 Prozent. Die Zentralschweiz wächst mit 3% sogar überdurchschnittlich stark - nicht nur in diesem Jahr.

 

Die Krise ist endgültig überwunden. Der Konjunkturmotor brummt. Die Binnenkonjunktur macht wett, was die labile Exportbranche noch nicht voll zu leisten im Stande ist. Für dieses Jahr rechnet BAK Basel mit einem Wachstum von 2,4 Prozent. Noch besser sieht es für die Zentralschweiz aus. Sie weist mit 3 Prozent in diesem Jahr von allen Schweizer Regionen das höchste Wachstum aus.

Chefökonom Urs Müller will jedoch nicht in Euphorie verfallen. Er spricht an der Frühjahrsprognosen-Tagung von einem Restrisiko. «Einem, das uns hoffentlich nicht den Rest gibt.»

Gemäss den BAK-Zahlen hat die Schweizer Exportwirtschaft nach dem Krisenjahr 2009 viel Boden gut gemacht. Die Chemiebranche sowie die Produzenten von Nahrungs- und Genussmitteln geschäften sogar besser als 2008. Die Uhrenbranche kommt auf 90 Prozent des Vorkrisenniveaus. Schwerer tun sich indes der Maschinenbau, die Metallbranche und die Textilindustrie. Das kommt nicht von ungefähr. Branchen, die ihre Kundschaft vor allem in Europa haben, leiden gleich unter zwei Effekten:

Die Volkswirtschaften erholen sich in Europa sehr unterschiedlich. Das Nord-Süd-Gefälle ist ausgeprägt. Der Bestellungseingang braucht darum länger, um wieder an die guten Zeiten anzuknüpfen.

Der schwache Euro drückt auf die Margen. Die mit Franken rechnenden Firmen exportieren zwar in Volumen gemessen mehr, doch währungsbereinigt schrumpfen die Gewinne.

Umgekehrt die Uhrenindustrie: Sie hat schnell Tritt gefasst. Der Hauptgrund: Bloss rund 27 Prozent ihrer Exporte finden ihre Abnehmer im Euroraum. Die übrigen Uhren gehen in andere Kontinente. Besonders stark wächst für diese Branche der Absatzmarkt in Ostasien, wo kein Währungszerfall im Gang ist. Zum Vergleich: Die Metallindustrie exportiert 70 Prozent ihrer Produkte in den Euroraum. Dorthin, wo die Konkurrenz währungsbedingt günstiger offeriert.

Die Entwicklung der Währungen zählt zu einem der von Müller genannten «Restrisiken». Allerdings ist er zuversichtlich, dass sich die Lage für die Schweizer Firmen entspannen wird. «Wenn die Massnahmen zur Stärkung des Euros wirklich greifen, dürfte sich die Einheitswährung im kommenden Jahr bei 1.40 Franken einpendeln.» Doch ob der Euro-Rettungsschirm wirklich weitere Verwerfungen am Devisenmarkt zu verhindern in der Lage sei, hält er für das Restrisiko des Restrisikos. Eingriffe seien zwar erfolgt, doch es fehle an einer klaren Strategie, bemängelt Tagungsgast Stephan Mumenthaler vom Pharmakonzern Novartis.

Nebst dem Euro könnte wegen der politischen Unruhen in Nordafrika auch ein rasant steigender Ölpreis in der Weltwirtschaft deutlich erkennbare Bremsspuren hinterlassen. Beim Öl macht sich indes die Glanzseite des starken Frankens deutlich, weil ein Preisanstieg bei einer starken Währung weniger hart durchschlägt.


Zentralschweiz ist gut aufgestellt

Trotz der Unwägbarkeiten in der Exportbranche – die immerhin mit jedem zweiten Franken zum Wohlstand in der Schweiz beiträgt – stellt sich der Binnenmarkt als zuverlässige Stütze heraus. Daran dürfte sich nach den Prognosen der Basler Konjunkturforscher so schnell nichts ändern.

Zurzeit sind es vor allem im Inland tätige Firmen, die verdienen und neue Arbeitsplätze schaffen. Die Bauindustrie, der Handel, die Investitionsgüterproduzenten und weitere, auf die Schweiz fokussierte Unternehmen machen gute Geschäfte. Das erklärt zu einem schönen Teil die günstigen Wachstumsprognosen für die traditionell im Binnenmarkt stark verankerte Zentralschweizer Wirtschaft (siehe auch Interview unten).

BAK Basel ortet zwei Gründe für die gute Laune bei den Konsumenten und den im Inland tätigen Betrieben.

Die Weltwirtschaftskrise traf die Schweiz weniger hart als andere Länder. Staatsverschuldungs- oder Immobilienblase waren kein Thema.

Die Einwanderung von EU-Bürgern zeigt zwar die Grenzen der Siedlungsräume und Infrastrukturen auf. Doch die meist gut verdienenden Zuzüger halten die inländische Wirtschaft am Laufen – mit Möbelkäufen bis hin zu Restaurantbesuchen, wo die Touristen eine Lücke hinterlassen.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der BAK Basel.

 

 

(Quelle: Neue LZ, 15.04.2011)


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