23.01.2011
Diwisa mit Rekordergebnis
Der Likör Trojka ist die bestverkaufte Spirituose der Schweiz. Sein Erfolg ist kein Zufall. Ermöglicht hat ihn der rasante Wandel einer heimischen Distillerie.
Für René Gut ist es ein Durchbruch. Der Wodkalikör Trojka ist seit vergangenem Jahr die meistverkaufte Spirituose in der Schweiz. 3,2 Millionen Flaschen wurden abgesetzt. Damit rangiert Trojka noch vor Ballantines oder Campari bitter. Das zeigt eine Studie der internationalen Marktforschungsfirma IWSR. «Diese Spitzenposition wollen wir unbedingt behalten», erklärt René Gut. Eine Spitzenposition im Heimmarkt sei ein wichtiges Argument, um im Ausland Fuss fassen zu können, weiss der 42-jährige Diwisa-CEO. Diesem Ziel ist die Distillerie mit ihren rund 100 Mitarbeitern in der Schweiz im Jahr 2010 ein Stück näher gekommen.
Zuwachs in den Beneluxländern
Zum siebten Mal hintereinander hat die Willisauer Distillerie im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis eingefahren. Der Bruttogewinn, sprich der Gewinn vor Steuern, stieg von 43 auf 44,7 Millionen Franken, ein Plus von fast 4 Prozent. Den Reingewinn gibt das Familienunternehmen traditionell nicht bekannt. Der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um knapp 3 Prozent auf 160 Millionen Franken. «Erstmals wurde das grösste Gewinnwachstum im internationalen Business erzielt», sagt René Gut. Rund 1 Million Franken zusätzlich habe man im Ausland erwirtschaften können. Vor allem in den Beneluxländern und in Südosteuropa. Die internationalen Vertriebsbemühungen sollen nun ausgebaut werden. Noch werden weniger als 10 Prozent des Gewinns im Ausland erwirtschaftet.
Noch wichtiger als der Auslandsmarkt sind für die Diwisa allerdings die Innovationen. Diese bescherten dem Unternehmen im vergangenen Jahr rund 3,8 Millionen Franken mehr Gewinn und kompensierten damit auch Einbussen aus der Straffung des Sortiments. Haupttreiber hierbei waren laut Gut der neue Likör Trojka Orange und das von einer deutschen Firma produzierte Bier Salitos.
Alkoholfreie Getränke boomen
Über die Hälfte des Bruttogewinns entfällt mittlerweile auf das Label Trojka, darunter fallen Wodkaliköre sowie Energydrinks und andere alkoholfreie Getränke. Die Fruchtspirituosen, die vor 10 Jahren noch das Hauptgeschäft ausmachten, steuern nur noch 12 Prozent bei. All das illustriert den Wandel des Produktionsbetriebs zu einem modernen Marketingunternehmen. «Gerade alkoholfreie Getränke sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen», sagt Gut. Kein Wunder: Hier sind die Margen höher, auch weil keine Alkoholsteuer abgeführt werden muss.
Laut eigenen Angaben ist Diwisa die Nummer 1 der Spirituosen- und Schaumweinhersteller in der Schweiz. Im vergangenen Jahr wurde die Spirituosensparte Landtwing Rütter im luzernischen St. Erhard übernommen.
Hauptsponsor bei Street Parade
Die grossen Konkurrenten sind längst Weltkonzerne wie Coca-Cola und der Spirituosenkonzern Diageo mit Marken wie Johnny Walker oder Baileys. Und natürlich Red Bull, die Nummer 1 im Schweizer Markt für Energydrinks. Mit 20 Millionen verkauften Dosen im vergangenen Jahr belegt Diwisa hier Platz 2. Ein bemerkenswertes Ergebnis, wie ein Blick auf die Marketingetats zeigt. Diwisa hat ein jährliches Marketingbudget von 13 Millionen Franken, Red Bull gibt allein für die Formel 1 pro Jahr 350 Millionen Franken aus.
Dennoch war Diwisa im vergangenen Jahr erstmals Hauptsponsor bei der Street Parade in Zürich mit über 700 000 Besuchern. Statt Red Bull gab es dort nur Trojka Energy. «Für unseren Bekanntheitsgrad bei den Konsumenten, auch aus dem Ausland, hatte das eine enorme Wirkung», freut sich René Gut. Im kommenden Jahr ist Diwisa erneut Hauptsponsor der Street Parade, beim Luzerner Blue Balls Festival tritt das Unternehmen erstmals als Sponsor auf.
Engagement für den Jugendschutz
Auch neue Getränke wurden entwickelt. Die erfolgreiche Trojka-Linie wird ab kommender Woche um Trojka Green Ice erweitert. Der Cocktail mit einem Alkoholgehalt von 4,7 Prozent sei vom Geschmack her vergleichbar mit einem Bier. Da er Limonade und Limettensaft enthält, schmeckt er aber süsslicher.
«Das Entwickeln neuer alkoholischer Lifestylegetränke ist immer auch eine Gratwanderung», versichert René Gut. Ob bei der Werbung oder Grossevents, Jugendschutzbehörden nehmen das Geschäftsgebaren genau unter die Lupe. «Wir nehmen das Thema Jugendschutz sehr ernst und unterstützen keine Kampfsauf-Partys», erklärt Gut. So ist der neue Drink Trojka Green Ice erst ab 18 Jahren im Handel erhältlich, das Gesetz würde den Verkauf ab 16 Jahren erlauben. Durch Alterskontrollen bei den eigenen Events und durch die jährliche Zahlung von rund 50 Millionen Franken Alkoholsteuer werde der Jugendschutz zusätzlich unterstützt. Von der Alkoholsteuer wird ein Teil für Aufklärungskampagnen des Bundes und Testkäufe in Supermärkten verwendet.
Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 23.01.2011 - Hans-Peter Hoeren

