01.02.2018

Geistlich investiert ins China-Geschäft

 

Die Medizinprodukte-Herstellerin Geistlich Pharma AG baut in Wolhusen aus. Das neue Gebäude ist erst der Anfang. Denn das Familienunternehmen wächst. China ist heute der wichtigste Abnehmer von Geistlich-Produkten.

 

Es sei eng geworden auf dem Firmenareal, sagt Geistlich-Chef Paul Note. «Obwohl wir weltweit wachsen, bleibt Wolhusen unser einziger Standort für die Forschung, Entwicklung und Produktion unserer Medizinprodukte. Doch wir benötigen dazu mehr Platz», so Note. Das dreistöckige Gebäude, für das heute der Grundstein gelegt wird, läuft firmenintern unter der Bezeichnung «888plus». Was bei einer kürzlich eingeladenen chinesischen Kundendelegation für reichlich Aufsehen gesorgt hat, denn die drei Achten gelten in ihrer Kultur als eine ihrer zahlreichen Glückszahlen. Doch der Grund für die Zahlenbezeichnung ist ein simpler und amtlicher: Es handelt sich bei 888 um die in der Ortsplanung vermerkte Gebäudenummer.

 

Der neue Neubautrakt soll in 13 Monaten fertig erstellt sein. Er bietet in erster Linie Platz für die Produktion. Das mittelständische Unternehmen investiert dafür eine zweistellige Millionensumme. Die Baubagger werden aber auch danach auf dem Firmengelände unterwegs sein. Note: «In den nächsten vier Jahren lassen wir die alten blauen Häuser der einstigen Gelatineproduktion abreissen und durch einen neuen Gebäudekomplex ersetzen.» In Wolhusen sind knapp 200 Mitarbeitende tätig und in Root über 100, die dort die Administration erledigen. Weltweit arbeiten rund 600 Personen für Geistlich.

 

Die Neugestaltung des Geländes ist Ausdruck des schnellen Wachstums beim traditionsreichen Familienunternehmen, das 1899 in Wolhusen damit begann, Knochen und Häute zu Leim und Dünger zu verarbeiten. Heute stellt es Biomaterialien zum Aufbau von Knochen sowie Knorpel und für die Regeneration von Zahnfleisch her (siehe Box). Ebenfalls aus dem Hause Geistlich kommen Produkte zur Blutgerinnung und Wundheilung. Die Zahnmedizin aus natürlichen Rohmaterialien von Schweinen und Rindern ist aktuell das wichtigste Geschäftsfeld von Geistlich.

 

Auf der ganzen Welt präsent
Geschäftszahlen gibt das Familienunternehmen nicht bekannt. Nur so viel gibt Note preis: In den zurückliegenden paar Jahren sei der Firmenumsatz jeweils entweder im hohen einstelligen oder tiefen zweistelligen Bereich gewachsen.

 

Das schnelle Wachstum spiegelt sich in der weltweiten Präsenz wider. In den zurückliegenden zehn Jahren baute das Unternehmen Tochtergesellschaften in China, Brasilien, Frankreich, Indien, Australien und den USA auf. In Europa ist es schon seit den 1960er-Jahren präsent. «Dieses Jahr wird China zum ersten Mal unser wichtigster Absatzmarkt. Das Land bietet sehr grosses Potenzial für uns», erklärt Note. Deutschland, Brasilien und die Vereinigten Staaten sind nach China die drei bedeutendsten Märkte. Note: «Vier grosse Absatzgebiete sorgen für einen guten Mix: Laufen die Geschäfte in einem Land weniger gut, machen wir es in einem anderen wieder wett.»

 

Bei einem Exportanteil von über 90 Prozent spielt natürlich die Entwicklung des Schweizer Frankens eine Rolle. «Als die Nationalbank vor drei Jahren die Euro-Untergrenze aufhob, ergriffen wir gezielte Massnahmen, um die Kosten zu senken. Es ging ohne Stellenabbau», so Note. Die Auslagerung von Arbeitsplätzen sei trotz der globalen Präsenz nie Thema gewesen. Denn das Familienunternehmen bewege sich in der Schweiz in einem günstigen Umfeld. Note: «Die Schweiz ist für Forschung und Entwicklung ein hervorragendes Land. Im Raum Zürich–Zentralschweiz sind wir zudem in einem Cluster mit über 200 Firmen der Medizinproduktebranche eingebettet. Der Austausch unter ihnen und der Zugriff auf Fachkräfte ist für uns sehr wertvoll.» Kommt hinzu, dass Geistlich eng mit den zahnmedizinischen Abteilungen der Schweizer Universitäten und auch mit der Hochschule Luzern zusammenarbeitet.

 

Wurzeln im Kanton Zürich
Gegründet hatte die Familie Geistlich das Unternehmen 1851 im Kanton Zürich. Wolhusen war ab 1899 vorerst lediglich eine Zweigniederlassung. Als sich der Familienbetrieb Schritt um Schritt neu erfand, wich die Leim- sowie Düngemittelherstellung den Medizinprodukten. In Schlieren produziert er schon länger nicht mehr, von dort aus betreut die Holding heute ihre Immobilienprojekte. Die Besitzerfamilie ist unter anderem mit Andreas Geistlich (Präsident) und Martin Geistlich im Verwaltungsrat vertreten.

 

Quelle:

Luzerner Zeitung / 01.02.2018


Geistlich Pharma AG



zurück zur Übersicht

Geistlich investiert ins China-Geschäft